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Grün draufgeschrieben – grün drin?

Warum neue Regeln gegen Greenwashing eine Chance für den Holzbau sind

Umweltversprechen begegnen uns inzwischen auf zahlreichen Baustoffen. Doch Begriffe wie „nachhaltig“, „ökologisch“ oder „klimafreundlich“ sagen allein noch wenig aus. Neue Vorgaben gegen Greenwashing rücken deshalb nachvollziehbare Produktdaten, Umweltproduktdeklarationen und den gesamten Lebenszyklus eines Baustoffs stärker in den Mittelpunkt. Für den Holzbau ist das keine Bedrohung, sondern eine echte Chance

Wenn das grüne Etikett nicht mehr genügt

Auf Verpackungen, in Prospekten und auf Websites ist heute vieles „grün“. Baustoffe werden als nachhaltig, ressourcenschonend, CO₂-reduziert oder besonders umweltfreundlich beworben. Solche Aussagen sprechen ein wichtiges Bedürfnis an: Bauherren, Handwerksbetriebe und Planer möchten Materialien einsetzen, die technisch überzeugen und zugleich möglichst geringe Auswirkungen auf Umwelt und Klima haben.

Das Problem: Eine positiv klingende Aussage ist noch kein Beleg. Ein Produkt kann beispielsweise aus einem nachwachsenden Rohstoff bestehen, in einem anderen Teil seines Lebenszyklus aber einen hohen Energiebedarf verursachen. Ebenso kann eine einzelne verbesserte Eigenschaft hervorgehoben werden, obwohl sie nur einen kleinen Teil der gesamten Umweltwirkung betrifft.

Genau hier setzen die verschärften europäischen und deutschen Regeln gegen Greenwashing an. Allgemeine Umweltaussagen sollen nicht länger für sich allein stehen. Unternehmen müssen genauer erklären können, worauf sich eine Aussage bezieht und wie sie nachgewiesen wird.

Was bedeutet Greenwashing bei Baustoffen?

Von Greenwashing spricht man, wenn ein Produkt, eine Leistung oder ein Unternehmen umweltfreundlicher dargestellt wird, als es anhand belastbarer Informationen nachvollziehbar ist. Das muss nicht immer durch eine offensichtlich falsche Behauptung geschehen. Problematisch können auch sehr allgemeine Aussagen, unklare Vergleiche oder optisch „grüne“ Siegel ohne unabhängige Grundlage sein.

Typische Beispiele sind:

pauschale Begriffe wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „nachhaltig“ ohne weitere Erläuterung,

Aussagen wie „CO₂-reduziert“, ohne Ausgangswert, Bezugsgröße und Umfang der Reduktion zu nennen,

die Übertragung eines einzelnen positiven Merkmals auf das gesamte Produkt,

selbst entwickelte Nachhaltigkeitssiegel ohne nachvollziehbares Zertifizierungssystem,

Vergleiche mit „herkömmlichen Baustoffen“, ohne das Vergleichsprodukt zu benennen,

Klimaversprechen, die überwiegend auf Kompensationen statt auf tatsächlichen Verbesserungen am Produkt beruhen.

Für die Praxis bedeutet das nicht, dass Umweltvorteile künftig nicht mehr kommuniziert werden dürfen. Im Gegenteil: Konkrete, verständliche und belegbare Aussagen gewinnen an Wert.

Was ändert sich durch die neuen Regeln?

Die EU-Richtlinie 2024/825 – häufig als EmpCo-Richtlinie bezeichnet – stärkt Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber irreführenden Umweltaussagen. Deutschland hat die Vorgaben in das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb übernommen. Die neuen Regelungen gelten im Kern ab dem 27. September 2026.

Besonders relevant sind drei Grundsätze:

1. Allgemeine Umweltaussagen benötigen eine belastbare Grundlage

Wer ein Produkt beispielsweise als „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ bewirbt, muss diese Aussage konkretisieren und belegen können. Je allgemeiner und umfassender ein Versprechen formuliert ist, desto anspruchsvoller ist der erforderliche Nachweis.

2. Der Umfang der Aussage muss klar erkennbar sein

Bezieht sich ein Umweltvorteil nur auf einen Teil des Produkts, auf die Verpackung oder auf einen einzelnen Produktionsschritt, darf nicht der Eindruck entstehen, das gesamte Produkt sei entsprechend bewertet worden.

3. Siegel müssen nachvollziehbar sein

Nachhaltigkeitssiegel sollen auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlicher Seite festgelegt sein. Ein selbst gestaltetes grünes Zeichen ersetzt keine unabhängige Prüfung.

Damit verschiebt sich die Kommunikation weg von großen Versprechen und hin zu überprüfbaren Informationen. Für Handwerker und Planer verbessert das im Idealfall die Grundlage für Materialentscheidungen.

Warum der Holzbau davon profitieren kann

Holz ist nicht automatisch nachhaltig. Herkunft, Forstwirtschaft, Transportwege, Verarbeitung, eingesetzte Bindemittel, Nutzungsdauer und die Möglichkeiten zur Wiederverwendung oder Verwertung beeinflussen die Gesamtbewertung.

Gleichzeitig besitzt der Holzbau ökologische Eigenschaften, die sich vergleichsweise gut beschreiben und dokumentieren lassen:

Nachwachsender Rohstoff: Holz kann innerhalb überschaubarer Zeiträume nachwachsen, sofern es aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt.

Speicherung von biogenem Kohlenstoff: Bäume nehmen während ihres Wachstums CO₂ auf. Ein Teil des Kohlenstoffs bleibt während der Nutzung im Holzprodukt gebunden.

Effiziente Konstruktionen: Im Holzrahmenbau lassen sich leistungsfähige Bauteile mit vergleichsweise geringem Eigengewicht realisieren.

Vorfertigung: Ein hoher Vorfertigungsgrad kann Bauzeiten verkürzen und Abläufe auf der Baustelle vereinfachen.

Rückbau und Wiederverwendung: Lösbare Verbindungen und sortenrein geplante Aufbauten können die spätere Trennung und Weiterverwendung erleichtern.

Entscheidend ist jedoch immer die konkrete Konstruktion. Nicht der Werkstoffname allein, sondern das Zusammenspiel aus Herkunft, Produkt, Aufbau, Verarbeitung, Nutzungsdauer und Lebensende bestimmt die tatsächliche Umweltwirkung.

Welche Nachweise helfen bei der Bewertung?

Wer Baustoffe fundiert vergleichen möchte, sollte nicht nur auf Werbeaussagen achten. Hilfreicher sind Unterlagen, die Produkteigenschaften nach festgelegten Regeln darstellen.

Umweltproduktdeklarationen – EPDs

Eine Environmental Product Declaration, kurz EPD, enthält Informationen zu den Umweltwirkungen eines Bauprodukts. Grundlage ist eine Ökobilanz nach definierten Produktkategorieregeln. Abgebildet werden – je nach Deklaration – verschiedene Phasen vom Rohstoff und der Herstellung über Nutzungsszenarien bis zum Rückbau, Recycling oder zur Entsorgung.

Eine EPD ist kein pauschales Gütesiegel und erklärt ein Produkt nicht automatisch zum „Sieger“. Sie stellt Daten bereit, mit denen Fachleute Produkte und Gebäudekonstruktionen unter vergleichbaren Rahmenbedingungen bewerten können.

Herkunfts- und Zertifizierungsnachweise

Bei Holzprodukten können anerkannte Zertifizierungssysteme Hinweise auf die Herkunft des Rohstoffs und die kontrollierte Lieferkette geben. Wichtig ist, genau zu prüfen, worauf sich ein Zertifikat bezieht und welchen Anteil des jeweiligen Produkts es erfasst.

Technische Daten und Nutzungsdauer

Nachhaltigkeit und technische Eignung dürfen nicht getrennt betrachtet werden. Ein Baustoff muss seine Aufgabe im Bauteil zuverlässig erfüllen. Wärme-, Schall-, Brand- und Feuchteschutz, Tragfähigkeit, Verarbeitbarkeit sowie die erwartete Nutzungsdauer bleiben zentrale Kriterien. Ein langlebiges, passend ausgewähltes Produkt kann sinnvoller sein als ein nominell „grünes“ Material, das für die konkrete Anwendung ungeeignet ist.

Nicht jedes Projekt braucht dieselbe Lösung

Eine verantwortungsvolle Produktauswahl beginnt deshalb nicht mit der Frage: „Welcher Baustoff ist am nachhaltigsten?“ Sinnvoller sind konkretere Fragen:

Welche technische Funktion muss das Material erfüllen?

Welche Nachweise sind für Planung oder Ausschreibung erforderlich?

Aus welchen Rohstoffen besteht das Produkt?

Woher stammen diese Rohstoffe?

Wie energieintensiv sind Herstellung und Transport?

Wie lange kann das Produkt voraussichtlich genutzt werden?

Lässt es sich später trennen, wiederverwenden oder verwerten?

Erst aus diesen Informationen entsteht ein belastbares Gesamtbild. Dabei können zwei Produkte je nach Einsatzgebiet zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Alternativen mit nachvollziehbaren Umweltvorteilen direkt ab Lager

Auch bei Luhmann finden Sie zahlreiche Baustoffe, deren Umweltvorteile sich anhand konkreter Eigenschaften und Produktinformationen nachvollziehen lassen. Dazu gehören beispielsweise Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen, Dämmstoffe aus Holzfaser oder Hanf sowie Holzwerkstoffe mit dokumentierter Herkunft und verfügbaren technischen Unterlagen.

Wir verzichten dabei bewusst auf ein pauschales „grünes“ Versprechen. Stattdessen betrachten wir gemeinsam mit Ihnen, welche Produkte für die jeweilige Konstruktion technisch geeignet sind, welche Nachweise benötigt werden und welche Materialalternative sinnvoll eingesetzt werden kann.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das: kurze Wege, verfügbare Produkte und eine Beratung, die nicht bei einem Schlagwort endet. Planer und Bauherren erhalten eine bessere Grundlage, um Anforderungen, Produkteigenschaften und Umweltinformationen miteinander abzugleichen.

Unser Tipp: Erst die Anforderung klären, dann das Material wählen

Wer nachhaltiger bauen möchte, sollte nicht mit einer einzelnen Produkteigenschaft beginnen. Klären Sie zunächst den geplanten Aufbau, die bauphysikalischen Anforderungen und die gewünschte Nutzungsdauer. Anschließend lassen sich geeignete Materialien vergleichen – mit Blick auf technische Leistung, Herkunft, Umweltinformationen, Verfügbarkeit und Verarbeitung.

Unser Fachteam unterstützt Sie bei dieser Auswahl und stellt Ihnen die verfügbaren Produktunterlagen für Ihre Planung zur Verfügung.

Häufige Fragen zu Greenwashing und nachhaltigen Baustoffen

Ist Holz automatisch ein nachhaltiger Baustoff?

Nein. Holz bietet als nachwachsender Rohstoff und Kohlenstoffspeicher wichtige Vorteile. Für eine fundierte Bewertung müssen jedoch unter anderem Herkunft, Verarbeitung, Transport, verwendete Zusatzstoffe, Nutzungsdauer und das Lebensende des Produkts berücksichtigt werden.

Was ist eine EPD?

Eine EPD ist eine standardisierte Umweltproduktdeklaration. Sie stellt Daten zu den Umweltwirkungen eines Produkts über festgelegte Lebenszyklusphasen bereit. Sie ist eine Informationsgrundlage, aber kein pauschales Umweltsiegel.

Darf ein Baustoff noch als nachhaltig beworben werden?

Umweltaussagen bleiben möglich, müssen aber konkret, verständlich und belegbar sein. Pauschale Aussagen ohne Erläuterung oder Nachweis sind besonders kritisch.

Sind Naturdämmstoffe grundsätzlich besser als konventionelle Dämmstoffe?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Naturdämmstoffe können Vorteile durch nachwachsende Rohstoffe und bestimmte bauphysikalische Eigenschaften bieten. Entscheidend sind jedoch der konkrete Einsatzbereich, die technische Leistung, die Konstruktion und die Daten des jeweiligen Produkts.

Welche Unterlagen sollte ich bei der Produktauswahl prüfen?

Je nach Projekt können technische Datenblätter, Leistungserklärungen, EPDs, Herkunftsnachweise, Zertifikate sowie Angaben zu Inhaltsstoffen, Verarbeitung und Rückbau relevant sein.  Ob Holzrahmenbau, Dämmung oder konstruktiver Holzbau: Wir unterstützen Sie bei der Auswahl geeigneter Materialien und zeigen Ihnen Alternativen mit nachvollziehbaren Produkteigenschaften.

Sprechen Sie unsere Fachberater an – gemeinsam finden wir eine Lösung, die technisch zu Ihrem Projekt und zu Ihren Anforderungen passt.

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